Von Guten Mächten

Leider konnten sie den Jahreswechsel nicht zusammen verbringen. Doch das tat ihrer Liebe keinen Abbruch. In ihren Gedanken waren sie sich nahe. Zum Jahreswechsel 1944 auf 1945 schrieb er ihr einen Brief. Diesem Brief legt er ein Gedicht bei. Ein Gedicht voller Wärme und Geborgenheit. Ein Gedicht voller Zuversicht und Vertrauen. „Von guten Mächten Wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag…“ So beginnt die erste Strophe aus diesem Gedicht.
„Erwarten wir getrost, was kommen mag“, das klingt gut kurz vor dem Jahreswechsel. Diese Zuversicht kann man immer gebrauchen. Was wird wohl auf uns zukommen im neuen Jahr. Oder was wird auf Jannike, Maren und Melanie zukommen, nach ihrer Aufnahme?
Manches kann man sich schon ausrechnen, bestimmte Termine und Ereignisse stehen fest. Manches kann man sich erträumen und in Gedanken vorherplanen. Doch was im Endeffekt passiert, können wir nur auf uns zukommen lassen.
„Erwarten wir getrost, was kommen mag“, wenn man gutes vom neuen Jahr erwartet und keine Befürchtung hat, kann man diesen Vers leicht nachvollziehen. Doch was ist wenn man Angst vor einem neuen Jahr hat oder Angst vor einer neuen Aufgabe? Angst davor seinen Stand nicht gerecht zu werden, Aufgaben nicht richtig zu lösen oder bei anderen nicht richtig anzukommen.
Was ist wenn wir vor diesen Sachen Angst haben? Angst zu haben vor einem Unfall, einer Krankheit, Angst vor dem neuen Jahr. „Erwarten wir getrost was kommen mag“
Dietrich Bonhoeffer hat dieses Gedicht für seine Frau geschrieben. Die beiden hatten allen Grund, Angst vor dem neuen Jahr zu haben. Dietrich Bonhoeffer wurde als politischer Häftling im Gefängnis gefangen gehalten. Ob er jemals wieder freikommen würde, war ungewiss. Wegen seiner Beteiligung am Attentat auf Hitler musste er damit rechnen, als Verräter zum Tode verurteilt zu werden.

„Erwarten wir getrost was kommen mag“, wie konnte Bonhoeffer in dieser Situation solche Gedichtzeilen schreiben Hätte er nicht viel eher schreiben müssen: Erwarten wir voller Angst, was kommen mag?
Die Angst vor einer neuen Situation können wir nicht aus eigener Kraft besiegen. Nicht einmal solch ein außergewöhnlicher Mensch wie Dietrich Bonhoeffer konnte das. Er vertraute auf Gott. Er glaubte fest an das, was Gott durch seinen Sohn versprochen hat? Ich bin bei euch alle Tage.
Im Vertrauen auf Gottes Hilfe ist er in das neue Jahr gegangen und mit diesem Vertrauen sollten wir neue Aufgaben angehen und Hürden überwinden.
„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Amen.

 

Zurück